
Der Tagesplan
Wir schreiben nun ja schon länger auf wann wir Merlin füttern. Abgesehen davon, das es immer wieder etwas wechselt, wann es morgens los geht, hat Merlin da schon eine gute Regelmäßigkeit entwickelt.
Der Überwachungsfamilienstaat
So fragte ich mich dann doch langsam, ob es nicht auch Sinn machen könnte feste Essenszeiten einzuführen. Auf der Suche nach der Antwort im Web, konnte ich wieder erleben, wie gespalten doch die verschiedenen Läger der Kindererziehung sind. In einem Forum schrieb eine Mutter, dass sie die Essenzeiten ihres Kindes notieren würde und wurde sofort beschuldigt ihr Kind zu überwachen und den elternlichen Rhythmus aufzwängen zu wollen. Also suchte ich weiter und landet wie schon häufiger wieder auf der Seite vom Babycenter. Da kommen mir die Informationen etwas ausgewogener vor, ohne Erziehungs-Glaubenskriege.
Auch ich als doch technikbegeisterter finde es gibt Grenzen. Zum Beispiel Nursery 2.0: Da kann man Herzschlag, Temperatur und Atmung des Babys überwachen und kann sich den Status auf seiner Kaffeetasse anzeigen lassen. Und wenn das Kind erwacht wird automatisch der Flaschenwärmer angeworfen. Nette Idee aber das ist dann doch mehr was für die Eltern, die jederzeit mit dem Schlimmsten zu rechnen scheinen.
Unser Plan
Wie viele andere wohl auch haben wir angefangen mit Wecker stellen für Füttern und Abpumpen. Das war so grob im zweiten Monate. Im ersten war das ja noch nicht nötig, da war ja füttern, trösten, wickeln, abpumpen, trösten, massieren, füttern, wickeln,… noch ein fast durchgehender Prozess. Nur Vormittags hatten wir in der Regel mal zwei Stunden Zeit für uns, da Merlin dann mal länger schlief.
Aus einem zwei Stundentakt wurde im zweiten Monat schon ein dreistunden Takt. Also begannen wir den Wecker jeweils immer drei Stunden weiter zu stellen. Das hatte allerdings zwei Nachteile:
- Wenn man mitten in der Nacht die neue Weckzeit stellt, kann es schon passieren, dass man im eigenen Halbschlaf sich da mal vertut. Wenn man richtig Müde ist, kann plus drei rechnen auch mal schief gehen.
- Ab und zu ging dann der Wecker und Merlin war noch seelenruhig am Schlafen. Warum dann also wecken. Aber man selber war dann halt doch schon wach – völlig unnötig.
Also schrieben wir halt auf, wann wir fütterten. Machte auch die Koordination leichter, wenn man sich beim Füttern abwechselt. Als wir dann begannen mit Pre Nahrung zu zufüttern markierten wir die Zeiten noch farblich, damit es schön gleichverteilt war.
Eigentlich zu allen Zeiten gab Merlin selber vor, wann er Hunger hatte. Uns halfen die Zeiten aber dabei, sein Quengeln nicht falsch zu verstehen. Bei einem drei Stundenrhythmus ist es halt nicht sehr warscheinlich, dass nach nur einer Stunde schon wieder Hunger der Grund für's Weinen ist. Also schauten wir eher auf die anderen Bedürfnisse. Auch das Windeln lief mit im Takt. Da der Schluckreflex mit dem „anderen“ Reflex gekoppelt sein soll, passte es relativ lange sehr gut, wenn wir ihn kurz nach dem Füttern gewickelt haben.
Schon im dritten Monat wurden es so rund vier Stunden zwischen den Essenszeiten und zum Beginn des vierten Monats stellte Merlin mit fast 8 Stunden einen Schlafrekord auf. Da ist man zwar erst irritiert und geschockt, aber es ließ einen auf zukünftige lange Nächte mit viel Schlaf hoffen.
Mal wieder im Web gesucht, nach der Antwort, ob 8 Stunden Schlaf o.k. ist, oder ob man doch lieber zwischendurch zum Füttern wecken sollte in dem Alter. Eine ähnliche Frage wurde dann auch von einer Mutter im Forum gestellt. Die Mutter war sehr glücklich, da sie so ja mehr Schlaf bekommen würde. Leider gab es dann nur wieder Antworten der Glucken-Mamis. Der Wunsch nach Schlaf der Mutter wurde scharf verurteilt. Man muss sich aufopfern für das Kind und nur dessen Bedürfnisse sind relevant. Da muss man als Mutter die eigenen zurückstellen… Aber warum stellen die sich nicht mal die Frage, ob das Kind vielleicht einfach länger pennen wollte?
Das Merlin Prinzip
Das nenn ich jetzt mal so, weil wenn dass dann andere auch so machen, kann ich später da noch ein Buch darüber schreiben und werde noch reich und berühmt.
Die Grundidee dabei war, dass Regelmäßigkeit nicht nur für uns den Tag planbarer macht, sondern auch Merlin dadurch sich sicherer füllte. Ging Merlin in den ersten Lebenswochen meistens direkt von ruhig auf maximale Lautstärke, wenn er Hunger verspürte, so wurde es immer mehr ein leises Quengeln, so dass man rechtzeitig die Flasche fertig hatte, bevor Merlin zu anderen Mitteln greifen musste. Teilweise gab es die Flasche dann auch mal „ungefragt“ nach vier Stunden, da sich dies recht lange als sein Rhythmus darstellte. Den haben wir tagsüber auch nicht weiter ausdehnen wollen, passte es doch auch recht gut zu der Angabe von fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag auf der Packung unserer Pre Nahrung.
Nachts schlief er im dritten Monat schon regelmäßig sechs Stunden. Ganz stabil war es nicht aber immerhin wurde es dann noch länger und länger. Jetzt im fünften Monat sind bereits um die 10 Stunden.
Wir halten aber nicht krampfhaft an dem Rhytmus fest. Zum einen zeigte sich in den letzten Wochen, dass er abends eher schon nach drei Stunden Hunger bekam. Vielleicht machte er einfach früher Alarm, um sicher zu sein, vor dem zu Bett gehen, noch mal gefüttert zu werden. Diese Änderungen muss man natürlich vor lauter Planen trotzdem wahrnehmen.
Ab ins Bett
In den ersten Monaten ging Merlin noch mit uns zusammen, so ab 22 Uhr ins Bett. Geschlafen hat er natürlich da auch schon vorher, nur halt im Wohnzimmer bei Licht und Musik- bzw. Filmbeschallung. Da machte es noch nicht richtig Sinn ihn früh ins Schlafzimmer zu bringen. Denn dann wäre man alle paar Minuten hin und her gelaufen.
Erst als er ab dem dritten Monat anfing nachts länger zu schlafen fingen wir an Ihn früher ins Bett zu bringen. Erst so ab 20 Uhr, inzwischen so zwischen halb sieben und sieben. Auch da hat es sicher Sinn gemacht die Zeit langsam Schritt für Schritt zu verändern.
Das Einschlafritual
Dazu wird er noch mal ein letztes mal gewickelt und bekommt seine Nacht-Windel an (Baby Dry) und kommt nur mit Kurzarmstrampler in seinen Alvi Schlafsack (die sind zwar echt teuer, aber trotzdem sehr zu empfehlen und dank ebay dann doch nicht mehr ganz so teuer). Unser Schlafzimmer ist dann abgesehen von seiner Twilight Turtle abgedunkelt. Dann noch etwas den Schnuller geben, falls gewünscht, etwas Bauchkraulen und dann nach ein, zwei Minuten allein lassen. Klappt nicht immer auf Anhieb. Manchmal müssen wir noch ein, zwei mal wieder nachschauen, aber dann ist er häufig schon am Dösen oder schaut sich begeistert den Sternenhimmel an der Decke an.
Total Baby
So ich glaube jetzt kann man vielleicht sagen, das es dann doch wieder Überwachungsstaat wird: Statt einer Essenszeiten Tabelle gibt es jetzt eine IPhone App.
Aber was soll's. Auch unsere Tabelle habe wir hin und wieder um ein paar Extrainfos angereichert. Das es Eltern interessiert wann was in der Windeln war, verstehen wohl auch nur andere Eltern. Irgendwann wurde es da halt sehr unregelmäßig und das kann dann auch mal der Grund sein warum das Kind schreit. Leidet also unter Verstopfungen seit zwei Tagen und dann wird es von den besorgten Eltern halt noch mal ordentlich gefüttert, weil es weint… ja es ist halt nicht immer Hunger.
Also notiere ich jetzt Füttern, Windeln und Schlafen. Man kann auch Arztermine, Impfungen, Gewicht und Größe eintragen. Also doch mal was praktisches für den technikverliebten Daddy.